Hilfe, mein Partner macht (k)eine Therapie
Die Veränderungen betreffen immer beide

 
Seelische Probleme und Leiden sind oft sehr schmerzvoll. Aber nicht nur für den betroffenen selbst, sondern auch für den Partner bzw. die Familie.
Oft entwickeln sich solche Probleme ganz langsam oder sie haben einen aktuellen Anlass wie den Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod eines nahen Verwandten.
Die Veränderung, die mit dem Menschen passiert, wird der Umgebung meist schneller bewusst als dem Betroffenen selbst.


Keine Motivation zur Therapie

Seit einiger Zeit ist er so reizbar und unzufrieden oder zu nichts mehr zu motivieren und zurückgezogen. Er hat alle Interessen verloren, selbst die Familie scheint keine Bedeutung mehr für ihn zu haben.
Gespräche sind nicht mehr möglich oder arten schnell in sinnlosen Streit aus. Sein Verhalten macht uns Sorgen oder sogar Angst.
Langsam wird uns klar, dass ein seelisches Problem vorhanden ist, nur der Betroffene selbst kann oder will nichts davon wissen. Aufforderungen, zum Arzt oder gar Psycho­therapeuten zu gehen, werden als Angriff oder Herabsetzung empfunden.


Wir halten es nicht mehr aus, aber was sollen wir machen?

Das Nahe liegende ist, sich selbst psychologischen Rat zu holen, wie man mit der Situation umgehen kann. Dabei findet sich oft ein Weg, wie der Betroffene doch zu einer Therapie zu motivieren ist.
Sind wir dann alle Sorgen los und brauchen nur noch etwas Geduld bis die Therapie Erfolge zeigt?
Leider nicht!


Eine Psychotherapie ist oft kein einfacher Prozess

Denn der Partner wird dabei durch Wechselbäder von Gefühlen, Zweifeln und Erkenntnissen gehen. Das macht den Umgang mit ihm erst mal nicht gerade leicht.
Wir können jetzt auch wieder nicht nachvollziehen, was im anderen vorgeht. Das ist nicht weniger anstrengend und beängstigend wie die Zeit davor.


Wenn der Therapeut des Partners als Feind wahrgenommen wird

Wir spüren, dass der Partner sich verändert, fühlen uns aber irgendwie von diesem Prozess ausgeschlossen.
Wenn wir ihn nach einer Therapiestunde fragen, worüber denn heute geredet wurde, bekommen wir nie eine befriedigende Antwort.
Leicht interpretieren wir das als Ablehnung, so als hätte der Partner nun Geheimnisse vor uns. Die Therapeutin oder den Therapeuten empfinden wir plötzlich als einen Feind, der uns den Partner entzieht.

So ist es aber nicht. Für den Betroffenen ist es so schwer, nach einer Therapiestunde darüber zu reden, weil er es noch nicht verarbeitet hat, weil er es noch nicht in Worte fassen kann. Therapie findet auch immer im Unterbewusstsein statt und da entstehen Gefühle, die nicht so einfach auszudrücken sind.


Therapie verändert den Menschen

Mit dem Fortschritt in der Therapie kommt hinzu, dass das Überwinden von seelischen Problemen einen Menschen stärker macht, ihn verändert, ihn in der persönlichen Entwicklung weiter bringt.
Das heißt, er bleibt nicht der Gleiche, der er vorher war.
Er wird bestimmte Persönlichkeitsteile, Einstellungen und Verhalten dauerhaft ändern. Und zwar diejenigen, die ihn in diese Problematik geführt haben.

Wir haben uns aber an den Menschen gewöhnt, der er früher war, bevor das Problem auftauchte. So, wie er war, haben wir in kennen und lieben gelernt.
Wir hatten unsere Strategien und Routinen im Umgang miteinander entwickelt und unsere Vertrautheit in dem Umgang mit den gegen­seitigen Stärken und Schwächen gefunden. Wir wissen nun nicht mehr, wie unsere Beziehung in Zukunft aussehen wird.


Auch der Partner des Klienten braucht Hilfe

Es ist oft sehr schwierig, mit dieser Ausnahmesituation, wie es die Psychotherapie eines Familienmitgliedes ist, zurechtzukommen. In diesen Fällen sollten wir nicht zögern (auch wenn wir selbst keine Therapie benötigen), uns durch eine psychologische Beratung in dieser schweren Zeit begleiten zu lassen. Dort finden wir Verständnis für unsere Situation und die nötige Hilfe, die uns (und unsere Beziehung) durch diesen Prozess lotsen kann.
 
 


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